Nächste Tour. Roman Fischer. Indie-Pop. FoH & Tourleitung. Chaos. Kleine Clubs. Rock´n Roll?
Zuerst mal nach Berlin kommen. Nachdem ich seit nunmehr zwei Monaten fast unentwegt unterwegs bin, entscheide ich mich gegen den Sprinter und für die Boing 737. Das nennt man wohl Zeit kaufen. Später weg – früher da. Und keine Diskussionen mit Musikanten, die ja nur noch schnell dies oder / und jenes kurz vor der Abfahrt erledigen müssen.
Also Munich Airport. Wenn man Herrn Stoiber glauben darf liegt der ja in der Innenstadt. Der ist da doch näher hingerückt – oder? Ich merke davon bei meiner Hinfahrt auf jeden Fall nix. Aber das mag ja an mir liegen. Zuerst lande ich mal im falschen Terminal und habe einen exakt 27,8 km langen Fußmarsch vor mir der, wenn man der netten Dame an der Information glauben darf, locker in 5 Minuten zu bewältigen ist. Aber nachdem ich mich ja auf der Tour mit Stefan im 400m Lauf geübt habe, ist das kein Problem. Nach dem Check-In kommen die üblichen Sicherheitskontrollen. Warum darf ich eigentlich keinen Blisstex (Hilfe! Flüssigkeit!!) mit in den Flieger nehmen, aber mein Stahlseil (um das Notebook an einen Tisch zu sichern) schon. Damit könnte ich wunderbar eine Geiselnahme durchführen?! Aber vielleicht muss ich das ja nicht verstehen. Hat ja nix mit laut und / oder hell zu tun.
Als ich an meinem Gate ankomme überredet mich eine nette 50-Jährige neben ihr Platz zu nehmen. Im weiteren Verlauf des Gesprächs (man könnte auch sagen: während ich versuche ihr tiefstes Allgäuerisch zu verstehen) stellt sich heraus, das sie mit mir eine Fluggast-Befragung machen will. Warum nicht? Als sie für die ersten zwei Fragen mindestens zehn Minuten auf dem Touchscreen ihres Notebooks rumdrückt erbarme ich mir ihrer und mache die Befragung mit mir selber und dem Rechner. Dabei stellt sich heraus, das ich mindestens 89 Mal im Jahr First-Class reise und vornehmlich in der Emirate-Airlines-Lounge esse und Kaffee trinke. Im Notfall tut es auch die Lufthansa-Buissnes-Lounge. Desweiteren kaufe ich gerne in den vornehmeren Herrenausstatterläden im geschlossenen Bereich nach den Sicherheitskontrollen ein. Die Dame glaubt mir das alles!
Nach dem Start versuche ich die (ungelogen) 102 Emails zu der Tour zu ordnen und eine Vorstellung davon zu bekommen, was mich die nächsten Tage erwartet. Da mann ja beim Start und der Landung keine elektronischen Geräte benutzen darf, lese ein paar Seiten einer Fachzeitschrift. In einem Interview mit einem FoH-Mann steht, dass einer der größten Vorteile von Digitalpulten der schnelle Auf- und Abbau derselben ist. Es gibt einfach (fast) keine Sideracks mehr. Man sei dann schneller an der Bar. Das ist doch mal ein praxisnahes Argument! Die Landung entspricht einem gezielten Kickdrum-Schlag von ca. 102 Martin Audio WS218X Bässen bei +6db. Einige Fluggäste machen ihr Testament und das Kleinkind in der Reihe hinter mir weint das erste Mal auf diesem Flug nicht. Es findet die Situation sicher lustig. Einmal sind die Erwachsenen genau so hilflos wie es selber. Aber alle Teile bleiben am Flieger dran und wir erreichen unser Gate.
Bei der Taxifahrt zum Club entpuppt sich der Fahrer als begeisterter Wissensfragen-Steller. Der hat wohl mal Quiz-Taxi gesehen. Er bietet mir an den Fahrpreis für jede richtig beantwortete Frage um einen Euro zu senken. Bei den Sport-Fragen versage ich kläglich. Er wähnt sich sicher und wechselt zu Literatur-Klassikern. Dank meinem Deutsch-Leistungskurs hat er da aber Pech. Er versucht es mit Physik, Mathe und E-Technik. Wow! Für irgendwas war das Studium doch gut! Irgendwann einigen wir uns drauf das ganze nur zum Spaß zu spielen. Die Taxifahrt vergeht wie im Fluge. Gott sei Dank ohne den Kickdrum-Schlag.
Das Büro des Clubs ist schon besetzt, obwohl ich zwei Stunden vor Get-In bin. Ich bekomme ein LAN-Kabel, einen Kaffee und einen Aschenbecher. Was will man mehr? Meine Band hat sich natürlich irgendwo auf der A9 verfahren. Geht’s da nicht immer geradeaus, wenn man von Augsburg kommt? Ich beende meine Tour-Vorbereitung und esse meiner Band die Karotten von Catering weg.
Beim Soundcheck erklärt mir der Haustechniker erst mal, das der Haus-EQ quasi fix, und sowieso das Beste ist was man machen kann. Nur um ihn zu ärgern lege ich die aktuelle Maschine-Head-CD ein und lasse sie 15 Minuten in voller Lautstärke laufen, während ich mit ernster Miene im Raum rumlaufe und ohne was Sinnvolles zu tun. Danach erkläre ich den Haus EQ für perfekt. Ich trickse ihn aus und schalte das Gerät auf Bypass als er gerade nicht hinschaut. Ich habe keine Lust auf Diskussionen und es wäre ja zu albern, wenn ich das nicht mit einem vierband-parametrischen EQ im Kanalzug hinbekomme. Ich bekomme noch weitere wertvolle Tipps bezüglich Mikro-Positionen im speziellen und meinem Job im Allgemeinen. Mein Versuch DEN Kickdrum-Schlag zu reproduzieren scheitert allerdings kläglich. Da sind nur vier ausgelutschte Turbosound Single-Achzehnzöller.
Vor Türöffnung muss ich dem lokalen Veranstalter noch klarmachen, dass wir eine Gästeliste mit unbedeutenden 43 Personen in einem 300-Mann-Laden haben. Die Gäste des Supports kommen da natürlich dazu.
Die Besucher kommen, wenn auch spärlich, aber die Show ist gut.
Während ich diesen Blog schreibe ist die Band noch auf dem Weg zu einer Party. „Die darf man nicht verpassen, wenn man in Berlin ist.“
Morgen geht’s erst mal in eine meiner Lieblings-Städte - Hamburg. Ich schließe Wetten mit mir selbst ab. „Wie viele Minuten kommt meine Band zu spät zum Treffpunkt zur Abfahrt?“ Cese.