oder
„Die Suche nach Ruhe und Frieden“!
Wenn man als Musikant gebeten oder genötigt wird im Crew-Blog einen Artikel zu verfassen, liegt natürlich nichts ferner, als über ein Konzert zu berichten.
Nein, es müssen schon andere Themen sein, eben der Musik entrückte...
Nachdem es mir mit dem Dossier über den „Müßiggang“ gelang, den einen oder anderen geneigten Leser zu erheitern, habe ich mich auch dieses Mal, für ein artverwandtes Thema entschieden – im erweiterten Sinne zumindest...
Die Rede ist vom Stuhlgang.
Was jetzt der Unwissende, als profane Befriedigung menschlicher Bedürfnisse abtut, ist in Wahrheit ein spirituelles Ritual universellen Ausmaßes. Wo der Unerleuchtete seiner Notdurft in größter Hast und Eile nachkommt, ja fast schon gehetzt versucht, den stillsten Ort der Welt schnellstmöglichst wieder zu verlassen – seine Schönheit und Anmut nicht erkennt, die Geborgenheit die er ausstrahlt, die wohlige Wärme und die beschützte Einsamkeit, weiß hingegen der Kenner von Dingen zu berichten, die Eure Vorstellungskraft bei Weitem übersteigen dürften...
Ich persönlich sehe mich schon – nicht ganz ohne Stolz – als Kenner, und möchte Euch von meinen Erfahrungen berichten:
Der Stuhlgang ist ein Gang der besonderen Art, er ist eher ein Schreiten, ein Flanieren, ein Dahinschweben – der Gang zum Thron. DER Stuhlgang findet nach der Show und dem Laden als letzte Amtshandlung statt. Er ist also auch Gleichzusetzen mit „Feierabend“, oder „Wieder einmal Großes vollbracht“. Er ist die Reflexion des Tages, eine Art Meditation, ein Horchen auf das innere Universum.
Es gibt gewisse Ausrüstungsgegenstände, die es für einen ordentlichen Stuhlgang braucht. Je nach Darreichungsform benötigt man eine oder zwei Bierflaschen.
Bei 0,33 Liter Flaschen nimmt man zwei, bei einem in 0,5 Liter Flaschen dargebotenen Bier, reicht hingegen eine.
Des weiteren ist ein Buch unabkömmlich – es darf allerdings kein zu spannendes Buch sein, sonst lässt man sich fesseln und es entgehen einem wichtige Details des Vorgangs.
Weiterhin benötigt man einen stillen Ort – logisch – eine Toilette, welche wenig frequentiert ist und somit Ruhe ausstrahlt. Ein sauberer, weißer und einladender Hort des Friedens.
Ist diese Voraussetzungen erfüllt, beginnt es... Man lässt sich nieder, öffnet sein Bier und das Buch und entledigt sich der ersten Etappe seiner Notdurft.
Viele Unwissenden sind ernsthaft davon überzeugt, sie hätten ihr Geschäft an dieser Stelle erledigt... WEIT GEFEHLT!!!
Jetzt beginnt es erst!
Zur Erklärung: Unser Schließmuskel – nebenbei der einzige Ringmuskel in unserem Körper – ist doch logischerweise gestresst. Tag ein, Tag aus, seit dem Moment unserer Geburt (OK, zugegebenermaßen kommt die bewusst unbewusste Kontrolle über dieses Körperteil erst etwas später) im Einsatz. Ständig hindert er uns am kontinuierlichen Auslaufen. Quasi durchgehend am Schaffen.
Ist es da zuviel verlangt, ihm einmal am Tag eine Ruhepause zu gönnen?
Nein!
Es ist doch gerade der Moment der absoluten Entspannung – der entspannte Schließmuskel. Eben einfach loslassen...
Das ist auch exakt der Moment, wo man das Buch zur Seite legen sollte. Fortgeschrittene können jetzt durchaus die Augen offen lassen, dem Anfänger empfehle ich aber sehr, sie zu schließen. Und jetzt ist es an der Zeit alle Sensoren nach innen zur richten, auf sich selbst zu hören – auf sich und das gelegentliche Tropfen in der Toilette, wenn die Blase sich entscheidet wieder einige Milliliter Urin durch die geöffneten Schleusen laufen zu lassen... Tropf, Tropf, Tropf.
Und während ihr da so sitzt, in Euch selbst versunken, eins mit dem Universum, wenn ihr Euch Eurer Einzigartigkeit bewusst seit, kommt sie... die zweite Etappe.
Die Unwissenden werden an dieser Stelle ungläubig mit dem Kopf schütteln, aber: Glauben heißt nicht Wissen! Probiert es aus.
Die zweite Etappe kommt und es ist eine orgastische Erfahrung und eine Befriedigung sexuellen Ausmaßes. Es ist ein Gefühl der absoluten Entspannung und inneren Reinheit. Es ist der Abschluss des Tages, das Ende eines Kapitels, die Bereitschaft für einen Neuanfang!
Hier scheiß ich, also bin ich – spürt das Leben!!!
In diesem Sinne: Danke für die Aufmerksamkeit und guten Rutsch,
Thomas