
..if you wanna mittelalter!
da muss man nämlich erstmal in die schweiz. und das ist gar nicht so einfach, steckt man doch nach nicht mal einer stunde auf der autobahn schon im stau. so was passiert nicht nachts, wenn der nightliner einen sicher von dorf zu dorf bringt. das kann nur am hellichten tage in selbstchauffierten sprintern passieren.
und wenn man dann schon mal so einen tollen stau erlebt, sollte man ihn auch geniessen, und all die lustigen sachen machen, die einem eine schiebetür bei schritttempo offenbart. nix wie auf mit dem teil, und auf- und abgesprungen. nein, langweilig war uns nicht. der kuchen des mit vier „wir fahrn zum southside“-hühnern voll besetzten pkw neben uns war staubtrocken, also haben wir sie fahren lassen. müssen. denn die polizeistreife, die sich ganz unverschämt rechts (über den pannenstreifen!!) an uns vorbei drängelte, nur um sich direkt vor uns wieder in den nicht fließenden verkehr einzuordnen (ich glaube, sie haben nicht mal geblinkt), forderte uns unter zuhilfenahme einer spacigen laufschrift dazu auf, ihr zu folgen. haha, was denn sonst. im stau.
erst wurde gemunkelt, die polizei würde sich freundlicherweise vor uns setzen, um uns mit blaulicht und tatütata durch den stau zu bringen. schließlich sind wir unter zeitdruck mit echten rockstars unterwegs.. wichtiger schien für herrn und frau wachtmeister jedoch, das verbrechen zu sühnen, aufrecht im sprinter zu stehen. langweilig. die hätten mal vor zwei minuten gucken sollen. da war die party noch richtig im gange! nungut. blitzgescheit haben die zwei uniformierten geschlussfolgert: wer aufrecht steht, kann nicht angeschnallt sein! respekt! und das kostet 30 Euro! unter aufgebot unserer letzten kröten konnten wir uns schließlich freikaufen und unseren beschwerlichen weg fortsetzen.
so detailliert kann ich euch jetzt aber nicht weiterberichten, denn das soeben geschriebene ereignete sich auf einer wegstrecke von zweihundert metern. und zum festival in der schweiz sind es noch zweihunderttausend kilometer.
wir wagen den distanzsprung, und gehen zu kilometer einhundertneunundneunzigzausendneunhundertneunundneunzigkommafünf, also 500 meter vor unserer destination, dem bündner festival. dort erwarteten uns bereits mehrere hundertschaften diverser schweizer polizeiregimente. vom einfachen streifenpolizistenlehrling bis hin zum schwarz gekleideten S.W.A.T.-typen mit ungefähr einer fetten wumme unterm arm und streitlustigem blick.
lammfromm und völlig eingeschüchtert präsentieren wir zum wiederholten mal heute unsere ausweise und dürfen nach ausführlichem check der sprintereigenen lichtshow endlich aufs festivalgelände. der regen auch.
und jetzt zur großen leserfrage: was passt hier nicht rein: pasta, gedünstete zwiebeln, schinkenwürfel, käse, apfelmus.
falsch, ihr kleinen schlaumeier! die richtige antwort lautet: alles! alles passt hier nicht rein! das kann doch nicht ihr ernst sein! nach zweihunderttausend kilometern im sprinter so etwas..?
wir haben keine zeit uns darüber aufzuregen, denn eigentlich sollten wir bereits hinter der bühne stehen und den gig vorbereiten. geht aber nicht, weil der siebeneinhalbtonner mit der backline gerade erst die schweizer grenze passieren darf. und somit noch anderthalb stunden braucht, bis er hier ist. also doch zeit, sich aufzuregen. nein, stimmt gar nicht. von aufregung waren wir weit entfernt. aufregung hätte die moral der truppe zerstört. wir haben uns belustigt und über die leckere schokolade gefreut. und gefreut. und plötzlich war es da. das wunder von graubünden: hasso dockt mit dem siebeneinhalber exakt zum beginn der „band-vor-uns“ an die hinterbühne an!
dreizehn stunden nachdem mama mich heute morgen liebevoll geweckt hat, darf ich also zu arbeiten anfangen. endlich. im folgenden tun wir also, was wir sonst auch vor, während, und nach einer show tun, nur um uns danach wieder hektisch in die sprinter zu schwingen. auf die frage, wer jetzt den scheisssprinter fährt, schaffe ich durch einen grossen schluck aus der bierflasche schon mal einfache tatsachen. never change a winning team. also wieder murdock ans steuer und durch die regnerische nacht zurück richtung münchen.
dort um 06:30 angekommen checken wir nun wirklich gerädert ins hotel ein. ein stundenhotel hätte es auch getan, denn (augen zu – augen auf) nach zwei stunde geht unser trip schon wieder weiter. das überaus opulente frühstücksbuffett wird aus zeitgründen ausgeblendet, stattdessen zwingen wir uns, soviel kaffee wie man in fünf minuten in sich reinpressen kann, in uns reinzupressen, denn das erweist sich als die allerbeste grundlage, um einen langen tag auf einer burg inmitten tausender von -ähh, wie soll ich sagen- musikliebhabern? durchzustehen. ach ja, eine show müssen wir auch noch erledigen. aber erst in etlichen stunden. der tourmanager verteilt streichhölzer für die augen und muntert uns auf mit dem satz: „in vierzehn stunden können wir schon wieder fahren“. es gelingt. wir freuen uns auf die ruhezeit bis zum gig. sind nur noch zehn stunden, bis arbeitsbeginn. der tourmanager zaubert einen fetzen molton hervor, liebevoll von uns „sofa“ genannt, auf den wir uns abwechselnd zur ruhe niederlassen, denn die wenigen stühle sind ungeeignte, das müde haupt auszuruhen. die atmosphäre im backstage übrigens auch. es tummeln sich neben den crewkollegen der anderen bands, auch ihre arbeitgeber, deren gäste und vips, nach interviews begehrende (hobby-)journalisten, gäste und vips, nervöse caterer, gäste und vips... ein buntes, geschwätziges treiben auf engstem raum, in miesester luft.
da hat es merch-moni schon besser. seit unserer ankunft steht sie zäh in ihrem shop und verklopft einen button nach dem anderen, muß erstaunlich selten aufs klo, fordert kuchen und geniesst die abwechslungsreichen geschichten, die der mitteilungsbedürftige kunde an die frau bringen will.
na die hat wenigstens was zu tun.. wir laufen stundenlang zwischen backstage und bühne und der exclusiven pissmöglichkeit neben dem rotkreuz-zelt hin und her, die zeit will nicht vergehen. regen, hitze, sonnenschein, kälte, nässe, sturm und flaute bilden einen abwechslungsreichen rahmen um den mittelalterlichen krach, der einem aus allen himmelsrichtungen die nerven raubt. das geht eigentlich nicht mal, wenn man ausgeschlafen ist.
gegen einundzwanziguhrdreissig dürfen wir dann. changeover, show und abbau laufen angesichts unseres zustandes überraschend gut. die band kommt beim publikum auch an. somit sind doch noch alle glücklich, diesen tag erlebt und überstanden zu haben. abschließend bilden wir einen kreis, um endlich eine antwort auf die fragen zu finden, wer heute nacht noch wo hin muss, wer bei wem oder mit wem schläft und infolgedessen, wer mit wem mitfährt. zwei stunden zurück zum proberaum, eine taxifahrt mit heinz, und ein paar ähh bier später sitze ich bei strahlendem sonnenschein an mathias´ küchentisch und verabschiede mich endlich kichernd ins bett.
an dieser stelle grüße an die überaus engagierten mitstreiter dieses wochenendes: hasso, robby, murdock, hajö, zahl, moni, chris und die band,
und den tapferen kriegern am southside: martin, cese, tanja, ruppi, harald, sean.
hoffe, wir sehen uns alle bald wieder!
bone