Sonntag, 29. April 2007

Ich tu mal so als würde ich euch nicht kennen

Und zurück nach München! Ich begegne heute meinen Kollegen im Atomic-Café auf einer neuen Ebene. Nun kann ich ungehemmt den Haustechnik-Kollegen über alle Mängel der PA aufklären und um die baldige Behebung durch den zuständigen TL (mich) bitten. Ich darf nun offiziell vom Catering naschen und mit dem Abenddienst, zwecks geschäftlicher Besprechungen in Café Wieners gegenüber in die Sonne verschwinden. Zudem darf ich mich mit Rechner im Büro breit machen und lauter Sachen fragen die ich eh weiß. Ich habe zwar einen Generalschlüssel, lasse mir aber jede Tür aufschließen.

Heute mal fast ausverkauft!

Nachdem wir aber morgen noch nach Stuttgart müssen, wird der Abend nicht lang.

Danke an Nessim, Juliane, Calc, Höcki, Zwiko und Mika. War super euch mal so kennenzulernen.

Auslegungssache

Was ist eigentlich an dem Halbsatz „Abfahrt 10:00 Uhr, Augsburg“ falsch zu verstehen? Die Information besteht aus drei Teilen: Geschehen, Zeit und Ort. Eine mir unerklärliche Dechiffrierung dieses Codes besagt allerdings:

- Das erste Bandmitglied verlässt gegen 10:00 das Haus.
- Dann müssen die anderen abgeholt werden.
- Nun werden verschiedene Nahrungsmittel und Getränke eingekauft
- Abschließend kann man losfahren.

Ok. Ich warte fast eine Stunde an der Tankstelle. Ich nutze diese Zeit um meine vornehme Clubbräune gegen echte einzutauschen. Dann werde ich eingesammelt.

Die Fahrt nach Wien verläuft schnell und stressfrei. Im Club angekommen wird ausgeladen und sound-ge-checked. Nun ist unsere Supportband dran.

Bone (Jochen), der FoH-Feind besucht mich. Leider kann er nicht zur Show bleiben. Er muss zu einer anderen Show. Er gesteht, dass er heute mal im Studio „laut abgehört“ hat. Eigentlich ist er ja mehr der ruhige Typ. Wir besuchen noch zusammen einen örtlichen Wurststand, dann wird er von seiner Freundin eingesammelt.

Einlass, Supportband und dann: Warten. Der auf Changeover ist mit 15 Minuten geplant. Eigentlich müssen ja auch nur ein Gitarrenverstärker, zwei Floorboards und drei Schlagzeugteile von der Bühne. Ich besinne mich auf meine Funktion als Mutti und schlage Alarm. Schon zwei Minuten später ist die Bühne frei.

Show, Abbau, Abrechnung, Hotel.

Montag, 23. April 2007

A Distorted Reality Is Now A Necessity To Be Free

Diesmal verläuft die Fahrt problemlos. Leider können wir erst um 18 Uhr in den Club. Also Kaffee trinken, Eis essen und Zeit totschlagen.
Das erste was beim betreten des Club auffällt ist bedrückende Enge. Und Anlage steht da auch keine. Das heißt: ein Mischpultähnliches Relikt lümmelt unmotiviert in der Ecke. Nur PA sehe ich auch keine. Aber die wird wohl noch kommen.

Scheinbar doch nicht. Unser „PA-System“ besteht aus zwei selbstgebauten Kisten, die entfernt an die roten 200,- € Tannoy Studioabhören erinnern. Obendrauf ist mit einer (!) Spax ein Halbzoll-Horn befestigt(?). Die nicht delayte Delayline besteht aus vier Autolautsprechern aus der Frontkonsole eines 1972er VW Käfer. Und irgendwo unter der Bühne ist angeblich ein Sub-Woofer. Als mir der Clubbetreiber (= Haustechniker = Barmann = Kassenkraft = gute Seele des Clubs) erklärt, das es sich hier um ein Vierwege-System mit knapp 2kW handelt, überlege ich kurz ob ich mir jetzt verarscht vorkommen soll. Dazu komme ich nicht. Er erklärt mir noch eine viertel Stunde lang das Vierkanal Lichtsteuerpult, welches acht unterschiedlich gefilterte Lampen ansteuert.
Die Monitore (ja so was gab es da) machen mehr Krach als die „PA“. Trotzdem wird alles mikrophoniert. Das Pult leuchtet, wie die Bühnenscheinwerfer, in den unterschiedlichsten Farbtönen. Aber irgendwie geht’s. Nach dem Abbau geht’s in die Künstlerwohnung...
Als ich nach vier Stunden Schlaf aufwache und aufstehe um meinen Zug in die Heimat zu erreichen, kommt mir der letzte Gig wie ein böser Traum vor.
Nächste Woche geht’s dann nach Wien (da besucht mich Bone), München Atomic (= Heimspiel), und Stuttgart (da bekomme ich auch Besuch). Cese.

Figuren und was sie uns sagen wollen...

Harte aufbauende Öffentlichkeitsarbeit nennen das wohl die Menschen in den Plattenfirmen. Die sitzen ja nicht, wie Band und Crew, bei 38 Grad Celsius in einem Sprinter im Stau auf der A3. Wenigstens haben wir gestern in einem Moment der geistigen Klarheit alle Getränke aus dem Backstage mitgenommen.

Dabei war gestern, auf die Situation bezogen, echt Luxus. Kammgarn – Kaiserslautern. Richtige Backstageräume, Aufbauhelfer, Produktionsbüro usw. Na ja – eigentlich gab es ja kein Produktionsbüro für mich. Dazu hätte ich mich ins Nebenbüro zu dem Küsschen verteilenden Hausdrachen in der Midlife-Crisis – Äh - Sorry – unserer Veranstalterin setzen müssen. Lieber in die Backstageräume. Am Boden bleiben und ducken!
Die Technikmannschaft begrüßt mich mit den Worten: „Du warst doch schon öfters hier. Warst du das mit den 6 Monitoren für einen Sänger?“ Auch an Tanja und mein asymmetrisches Lichtkonzept konnte man sich noch erinnern. Wir scheinen da ja bleibenden Eindruck hinterlassen zu haben.
In Gedenken an Martin, der bei Weto FoH gemacht hat und jetzt leider in Landsberg sitzt, lasse ich zehn Minuten Pro-Pain laufen. Dann besinne ich mich auf meine zarten Seiten und wechsele zu Kosheen. In Gedenken an Tanja, die auch in Landsberg sitzt, verdrehe ich eine Lampe und zerstöre so das ordentlich symmetrische Lichtkonzept. Aber niemand merkt es.
Später geht sie Show los und die Stimme unseres Frontmanns weg. Ich kompensiere das mit einer unendlich zu eins Kompression und viel Hall. Funktioniert wunderbar bis die besagte Stimme zum „Auf Weidersehen sagen“ wiederkehrt und irgendwie alles rot wird. Aber man soll sich ja mit einem Knall verabschieden.
Die Unterbringung im Dorint-Hotel erweist sich als adäquat. Das gleiche gilt für das Frühstück.
Mist – ich habe schon wieder vergessen eine dieser dummen, lebensgroßen Figuren zu klauen, die da überall im Kammgarn herumstehen und einem ständig das Gefühl geben das irgendwer hinter einem steht. Die könnte man super ans Monitorpult stellen, wenn man mal auf die Toilette muss. Cese.

Samstag, 21. April 2007

Kölle

Gestern also romantischer Punkrock in Hamburg. Nachdem sich die Reisegruppe zusammengefunden hat müssen noch die üblichen „ich hab Hunger!“ Sorgen der Band beseitigt werden. Und auf nach Köln.

Die Fahrt dauert geschätzte 23,5 Katzenleben. Irgendwann ist das MTC erreicht. Der Veranstalter erweißt sich als einer, der normalerweise größere Events betreut. Willkommen im Club.

Nun mal ne Frage: Warum werden in jedem Club der Welt dbx-driverack-PA´s verbaut? Inzwischen kenne ich da schon die nicht dokumentierten Reset-Befehle, ohne dass ich jemals ne Bedienungsanleitung gelesen hätte. Was ist nur aus der guten BSS-Stereo-Zweiweg-Weiche geworden? Da konnte wenigstens kein ambitionierter Haustechniker was falsch machen.

Nach kurzem Soundcheck und unserer minderjährigen Supportband absolvieren wir unsere Show.

Nun begebe ich mich ins Palladium, wo die Moni für Headline Merchandise bei einem Emo-Punkrock-Festival macht. Ich werde nach betreten der Vorhalle aufgrund meines alkoholfreien Becks fast wieder hinausgeworfen. Moni rettet mich mit einem Backstage-Pass. Bald beginnen auch der Headliner „Jimmy Eat World“.

Die Welt geht unter.

20 VDosc-Tops und entsprechend viele Bässe gegen 500 Menschen sind auch irgendwie fies. Ich überlege kurz ob ich mir was in die Ohren stecken soll. Aus Angst, das minderjährige Publikum würde mich dann auslachen lasse ich es sein. Ich lege mir eine Taktik zurecht: Ich bleibe bei Moni im Vorraum. Da ist der Sound seltsamerweise auch besser. Vielleicht ist ja irgendwo ein Driverack-PA verbaut? Oder es hat was mit Laufzeiten zu tun haben. Vielleicht wirken ja die Türen von der Halle zum Foyer wie das ideale Point-Source-Horn? Ich muss Morgen mal Dr. Christian Heil in Frankreich anrufen, was er dazu meint.
Nach der Show muss Moni die (ungelogen) 8932,2 T-Shirts von „Jimmy Eat World“ zählen und ich mache mich auf den Weg in mein Hotel. Als ich noch jung war hatten Emo-Bands maximal 15 selbstgemalte T-Shirts und haben ihre Energie lieber in Tatoos und Weltschmerz gesteckt. Die Zeiten ändern sich.

Nachtrag: Gerade hat sich mein Feuerzeug durch „auf den Boden fallen“ selbst entzündet. Cooler Trick um Aufmerksamkeit zu erreichen. Das merk ich mir. Cese.