Der offday geht schon bahnbrechend los: Das Hotel ist irgendwo im Nirgendwo zwischen Bäd Godesberg und Bonn-Beule; verkehrsgünstig gelegen zwar (direkt an der Autobahn und Straßenbahnanschluß unmittelbar vorm Fenster) aber zum nächsten Imbiß sind es knackige fünf Kilometer. Freundlich werde ich vom Hotelpersonal (Danke Maritim) zu einem Busparkplatz am Arsch der Welt geschickt und bekomme so auch noch was von Bonner Lokalkolorit und Sehenswürdigkeiten mit. Nach `ner sportlichen halben Stunde Extra-Tour inklusive malerischem Blick auf die Rheinaue und eigenen Recherchen unter eingeborenen Busfahrern werde ich zum Hotel zurück geschickt und finde mit Halteverbotsschildern gut getarnte Premiumbusparklätze (Danke Maritim). Ich werde wach, schalte den Motor aus und frage mich ins catering durch, lande aber in der Betriebskantine vom Ministerium für Forschung wo ich drei Wurstsemmeln und `nen Liter Kaffee verdrücke bis mir klar wird das ja heute offday ist und die Dickmacher sich ja eben ins Hotel verabschiedet haben. Begebe mich most possible unauffällig Richtung Ausgang und verteile im Laufen ungefragt Schandmaul-Autogrammkarten, gut, denk ich mir, ein wunderbarer Moment um ins Hotel einzuchecken.
Mit Chipkarte und Zimmernummer versehen scheitere ich an dem Aufzug und fühle mich wie der erste Ossi bei McDonalds. Um größere Peinlichkeiten zu umgehen nehme ich dezent die Treppe in den vierten Stock. Im Treppenhaus treffe ich auf eine Familie aus Thüringen, die sich in mir fast unverständlichen Worten über irgendwas bezüglich Karten und Aufzüge aufregt.
Verschwitzt aber souverän lande ich vor meiner Zimmertür, als ich nach weiteren fünf Minuten drin bin schlägt mir ein Geruch entgegen als wäre der letzte Gast gerade rausgetragen worden.
Geflissentlich sehe und gehe ich über den fleckigen Teppich hinweg und öffne das Fenster. Eine Tram fährt vorbei und es klingt als würde sie durch das Nebenzimmer fahren. Lustig ist, als ich rübergehe um nachzuschauen, stelle ich fest das es sich um Hoteleigene Abriß- und Renovierungsarbeiten handelt, die noch bis in den späten Nachmittag andauern (Danke Maritim).
Friedlich schlafe ich ein.
Als ich erwache bin ich völlig dehydriert und mache mich über eine Flasche Gerolsteiner her auf der ein Schild mit einem großen 0,50 Euro prangt. Denke noch so bei mir, Mensch Maritim, is` ja ganz schön billig.
Es klopft, das Zimmermädchen steht vor der Tür, stellt mein Frühstückchen nebens Bettchen und wünscht mir ein schönes Tagchen. Tschüßchen.
Ich packe meine Sachen, nehme die Treppe und finde mich am Empfang wieder wo mich ein rausgeputztes Bengelchen erst siezt und dann freundlich 6,50 Euro für eine Flasche Gerolsteiner einfordert. Nach zehn Minuten, in denen ich in der Fremdwahrnehmung Kundenbehandlung vom eben noch extremst höflichstenst behandelten Hotelgast zum widerlichen Querulanten mutiere ist das Problem gelöst und ich um fünfzig Cent ärmer. Aus Kulanzgründen. Danke Maritim.
Fahre galant den Bus vors Hotel um die Crew einzusacken, die just in diesem Moment unter lauten Gesängen die Hotelbar verläßt. Als kleine sportliche Herausforderung hat irgendwer ein meterlanges Zelt in die Einfahrt und einen Bürger daneben gestellt. Während ich noch überlege wie ich den Bus im Foyer am Besten wende sprichts mich auch schon an, durchs offene Fenster: Machen se mal den Motor aus, da kann ma ja gar nicht hinterm Bus stehen so wie das stinkt! Da es eindeutig noch zu früh ist für Debatten á la ich steck mein Kopf ja auch nich in dein Auspuff du Lurch schließe ich schweigend das Fenster und schlagartig wird die Luft im Bus besser. Aus purer Boshaftigkeit und weil der einzige der nicht feiern war verschlafen hat stehen wir bis zur Abfahrt noch zwanzig Minuten vorm Hotel.